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„Rhein“ und „Donau“ am Lido

„Rhein“ und „Donau“ am Lido
Zehn Ruderer vom RCB zum ersten Mal beim internationalen Sportwettkampf in Venedig dabei

WAZ / NRZ vom 20.07.2013

Für die Reiter ist es vielleicht der CHIO in Aachen, für den Langstreckenläufer bestimmt der New York Marathon – und für die Ruderer? Natürlich, die Vogalonga in Venedig – das größte Sportereignis in dieser Sparte. Sie besteht bereits seit 1974 und ist ein alljährlich am Pfingstsonntag stattfindender Ruderwettkampf in der italienischen Lagunen Stadt, bei dem alle Boote, die mit Muskelkraft betrieben werden, zugelassen sind – also herrscht Fahrverbot für die Wassertaxis, die sogenannten Vaporettas, auf dem Canale Grande.

Erstmalig waren auch zehn Ruderer vom RCB Rheinhausen dabei. „Für die Venezianer ist es inzwischen eine Prestigeveranstaltung“, erzählt Ruderwart Thomas Kuinke, „jeder, der etwas auf sich hält, ist Pfingsten am Start.“ Dementsprechend geschmückt sehen die Boote der Teilnehmer aus, die weltweit anreisen. Der 47-jährige Rheinhauser hat zu Ruderbooten umfunktionierte Gondeln gesehen und richtige „Yachten“ als Achter mit Steuermann erlebt. „Der Einfallsreichtum der Mitfahrer ist gewaltig, allein die Kostümierung ist umwerfend und manche Boote sind bis zu 30 000 Euro wert“, sagt Thomas Kuinke.

30km lange Strecke

Die Rheinhauser Ruderer buchten einen Campingplatz auf der Lagune von Venedig bei Cavallino Treporti und ließen ihre zwei Ruderboote mit den Namen „Rhein“ und „Donau“ am Vorabend an einer Anlegestelle unweit des Markusplatzes, des Startpunktes der Vogalonga, zurück. In aller Frühe brachen sie am Pfingstsonntag auf, um in das 30 Kilometer lange Ruderrennen einzusteigen. Dann endlich um 9 Uhr der Startschuss: „Das ist ein tolles Gefühl überall in Venedig läuteten die Glocken und es gab einen gewaltigen Kanonenschlag“, erinnert sich Thomas Kuinke. Also nicht nur vom Campanile, dem sogenannten Markusturm, wurde das Ereignis freudig begrüßt. Eine unglaubliche Farbenpracht erfüllte das Markusbecken in der die Rheinhauser doch ziemlich neutral mit ihren blauen RCB-Trikots eintauchten.

Anfangs war der Himmel noch wolkenverhangen. „Wichtig für uns war, dass es windruhig blieb“, sagt der Rheinhauser Ruderwart. Da keine Strömung herrschte, konnten die beiden Vierer mit Steuermann zügig entlang der Insel Saint Erasmo in nordöstliche Richtung rudern, hoch zur Insel Burano, die für ihre Spitzenstickerei bekannt ist. Diese umrundeten sie, und fuhren südwestlich zur Insel Murano, berühmt für ihre Glasbläserkunst. „Das war schon ein Highlight durch den Canale di San Donata, die Hauptverkehrsader, zu fahren, wenn einem fast 5000 Bewohner zujubeln“, sagt Kuinke. „Das ist aber auch der einzige Kanal der Insel, den man mit einem Ruderboot schiffen kann, der Rest ist einfach viel zu eng.“

Endspurt nach fünf Stunden.

Dann, nach knapp fünf Stunden, endlich der Endspurt auf das Zentrum von Venedig — bei inzwischen Sonnenschein und warmen  Temperaturen. „Wir sind in den Canale Grande im Norden eingefahren — es war einfach unglaublich: Menschen standen mit scheppernden Kochtöpfen in ihren Fenstern, machten wahnsinnigen Lärm, um die Ruderer und Kanuten zu unterstützen.“ Vor der Brücke Tre Archi entstand ein riesiger Stau. „Da wollten dann alle zeitgleich durch – konnte nicht funktionieren, es war wie zu Hochzeiten der Hochemmericher Kirmes“, weiß Thomas Kuinke.

In der Nähe des Zieles haben wir ein junges Paar auf einer hochglanzpolierten Gondel gesehen, ganz in weiß gekleidet mit goldener Schärpe. Sie machten den Gondolierengruß, stemmten die Ruder also senkrecht nach oben, als sie ihr kleines Kind kurz vor dem Ziel mit an Bordnahmen“, erinnert sich der Rheinhauser Steuermann immer noch sichtlich beeindruckt von dem Ideenreichtum der Mitstreiter.

DIE VOGALONGA

Die Vogalonoga ist ein seit 1974 bestehender Ruderwettkampf ohne motorisierte Fahrzeuge, ursprünglich als Protestaktion gegen die Verschmutzung der Lagune Venedigs geplant.

Die Teilnehmerzahl ist stetig gewachsen: Bei der diesjährigen Vogalonga nahmen etwa 7000 Ruderer und Kanuten in 1700 Booten teil.

Der 30 Kilometer lange Parcours startet immer Pfingstsonntag im Markusbecken, führt um die Insel Burano, durch Murano über den Canale Grande zurück zum Markusplatz.

Der Text wurde dem oben verlinkten Zeitungsartikel entnommen.

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