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Rheintour April 2018

Große Rheinwanderfahrt mit Freunden aus Berlin

Wir hatten es versprochen und haben es dann auch eingehalten. Die Fortsetzung der Rudertour aus 2017. Wir erinnern uns, ein Magen- und Darminfekt hatte uns nach 2 Tagen zum Abbruch der Tour gezwungen. Unsere Freunde aus Berlin wünschten sofort, die Tour im Folgejahr, nämlich in 2018, fortzusetzen.

So sollte es dann auch sein. Der Einladung zum Rudern folgten außer 8 Borussinnen und Borussen 15 Gäste aus Berlin, Leverkusen und Hattingen. Es ging vom 28.4. bis zum 1.5. auf den Rhein von Bingen nach Rheinhausen. Eine wunderschöne Wanderfahrt, auf der alles gepasst hat.

 

Von Bingen nach Rheinhausen
Ein Erlebnisbericht der Ruderkameraden von Phönix Berlin

Bericht: Carsten D, Fotos: Wolfgang B, Christian K

Es ist der 27. April 2018 und einige vom Ruderclub Phönix haben sich dazu entschieden wieder auf die „Rheintour“ zu gehen. Obwohl im letzten Jahr „Montezuma“ mit seiner Rache zuschlug, ist die Stimmung gut und die Hoffnung groß, über das Etappenziel Lahnstein hinaus zu kommen.

Die Fahrt beginnt um 15:00 Uhr und führt uns einmal quer durch die deutschen Lande bis ins rheinland-pfälzische Bingen. Eine ziemlich ereignislose Fahrt, die für beide Fahrzeuge und ihre Insassen Zeit für nette Gespräche oder eine Mütze voll Schlaf bietet.

Gegen 22:00 Uhr kommt auch das Fahrzeug mit der Startnummer zwei in Bingen an und wird bereits erwartet. Schnell die Schlafsäcke ausgelegt, noch ein Abschluss- oder gute Nachttrunk genommen und schon verschwindet einer nach dem anderen in seine Schlafstatt.

Der Morgen beginnt sonnig und mit herrlichem Wetter. Frühstück vor der „Bingener Rudergesell-schaft 1911“ die auch unser Startpunkt ist.

 

Nach dem Frühstück ist noch Zeit durch Bingen zu schlendern und die Basilika „St Martin“ zu besichtigen. Sehr bemerkenswert und es verbleiben schöne Eindrücke. Der Heiligen Jungfrau noch schnell eine Kerze für eine gute Fahrt entzündet und dann geht es wieder zurück zur Rudergesellschaft.

Mittlerweile sind die Rheinhausener, die großen Organisatoren der Tour, mit den Booten eingetroffen. Schnell sind diese aufgeriggert und zur Abfahrt bereit. Boots- und Landdiensteinteilung sind flott gemacht und die ersten Boote gehen raus aufs Wasser. Nur das letzte Boot stellt fest, natürlich nachdem alle abgefahren sind, keine Feststellschrauben für die Stemmbretter dabei. Nun heißt es improvisieren. Mit geliehen Schrauben der Bingener und zwei Stück ollem Tampen ist die Sache erledigt und auch wir kommen auf den Rhein.

Vorbei an Weinbergen, dem Bingener Mäuseturm, Burgen, Schlössern und deren Ruinen. Zügig geht es voran, der Rhein nimmt uns mit seinen gewiss sechs Stundenkilometern Fließgeschwindigkeit gut und angenehm mit und gibt einem die Zeit, all das, was links und rechts sehenswert ist, auch aufzunehmen. An Steuerbord Rheinland-Pfalz, an Backbord Hessen, wir entspannt dazwischen. Erwähnenswert die Burg Rheinstein mit der Clemenskapelle, sehr schön gotisch, Burg Sooneck sowie Bacharach und die Burg Stahleck. Nach Bacharach verlassen wir die hessischen Gestade und befinden uns nun gänzlich in Rheinland-Pfalz. Wir passieren Kaub und sehen das Denkmal Gebhard Leberecht von Blücher des großen „Feldmarschall Vorwärts“, der hier mit seiner schlesischen Armee den Rhein überquerte, um die französischen Truppen zu verfolgen und so das linksrheinische Ufer des Reiches freizukämpfen.

Wir passieren die „Sieben Jungfrauen“ und die spektakuläre „Loreley“ und kommen unserer Mittagspause immer näher. Der Yachthafen von St Goar bietet einen geschützten und guten Anlegeplatz, den wir gerne nutzen. Ein Wechsel zwischen Landdienst und Ruderern findet statt und nach einer guten Stunde Pause geht es weiter. Vorbei an den Burgen der „Feindlichen Brüder“, Burgen Sterrenberg und Liebenstein und dem Kloster Bornhofen, einem bekannten Wallfahrtsort, nimmt uns der Rhein wiederum mit durch herrliche Landschaften mit wunderbaren Eindrücken. Schloss Stolzenfels zieht vorbei und wir kommen unserem ersten Ziel nahe. Lahnstein.

Hier wo die Lahn in den Rhein mündet, ist unsere erste  Übernachtung. Die „Rudergesellschaft Lahnstein“ bietet uns, wie auch im vorherige Jahr, Obdach und wir machen es uns gemütlich. Es wird lecker gekocht und alle haben Spaß und unterhalten sich gut.

Der nächste Morgen beginnt mit sturzbachartigem Regen. Kein gutes Vorzeichen. Aber bis alles verräumt und die Boots- und Landdiensteinteilung abgeschlossen ist, lässt der Regen nach und es geht wieder hinaus. Die Lahn nimmt uns das kurze Stück von der „RG Lahnstein“ bis zu ihrer Mündung mit und weiter geht es auf Vater Rhein. Wir erreichen Koblenz. Am „Deutschen Eck“, da wo die Mosel in den Rhein mündet, steht weithin sichtbar der Deutsche Kaiser, Wilhelm I zu Pferd, mit einem die Kaiserkrone tragenden Genius an seiner Seite. An Steuerbordseite erhebt sich die Festung „Ehrenbreitstein“ auf ihrem Felsplateau und macht einen unerschütterlichen Eindruck.

Mit dem Wasser der Mosel und dem des Rheins unter dem Kiel geht es weiter. Es ist angenehmes Rudern mit wunderbaren Impressionen, Burg Rheineck, Schloss Arenfels und Weinberge zum sattsehen. Die Mittagspause ist diesmal beim „Wassersportverein Sinzig“.

Anlegen am Sandstrand. Für uns kanalverwöhnte Berliner nicht alltäglich, aber machbar. Gibt halt nasse Füße. Der Wassersportverein hat leckeren Flammkuchen auf der Karte und noch so einiges Anderes, natürlich auch ein Glas Bier. Wer will.

Nach ca. einer Stunde geht es wieder weiter. Die berühmte Brücke von Remagen zieht an uns vorbei und wir passieren flussmittig die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Wir sehen den Drachenfels, Haupterhebung des Siebengebirges mit seinen 321 müN. Von dort soll es einen sehr schönen Ausblick auf das Rheintal geben. Leider ist unsere Perspektive hier eine Andere. Wir nähern uns Bonn und können schon aus der Ferne das Gästehaus der Regierung sehen „Schloss Petersberg“, schön wie es so in der Sonne liegt und strahlt. Wir unterfahren die „Konrad-Adenauer-Brücke“ und sehen schon unser Tagesetappenziel. Der „Bonner Ruderverein von 1882“. Nobel gelegen, nobles Bootshaus. Hätten doch einen Schlips mitbringen sollen. Vielleicht. Wir können die Vereinsräume nicht nutzen. Das Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung belegt die Räumlichkeiten mit einer internationalen Tagung. Wir rollen unsere Schlafsäcke im Bootshauskeller aus und bestellen Pizza beim Italiener um die heimische Wirtschaft zu stärken. Gemütlich sitzt es sich auf Bierzeltgarnituren unter einem Pavillon. Der Blick auf den Rhein ist wunderschön und der Abend klingt fröhlich aus.

Der nächste Tag beginnt mit dem allgemeinen Wecken um sieben Uhr und dem gemeinsamen Frühstück. Einteilung ist wieder schnell gemacht und raus geht’s aufs Wasser.

Die Landschaft links und rechts ist jetzt urbaner und zieht doch beständig an uns vorbei. Rudern hat schon viel Entspannendes.

Köln kommt auf uns zu und wir passieren nicht nur jede Menge Brücken, sondern haben auch einen guten Blick auf die Altstadt. Mal eine ganz neue Perspektive auf den berühmten Kölner Dom und die Hohenzollernbrücke. Wir sehen die Zoobrücke, mit ihrer quer über die Brücke verlaufenden Rheinseilbahn vom Rheinpark zum Kölner Zoo. Aber das Wetter ist nicht so toll. Es ist echt frisch und der Wind nicht so angenehm. Aber unsrer Mittagspause kommt auf uns zu. Der „RTHC Bayer Leverkusen“ gibt sich die Ehre.

Man, Anlegen gegen die Strömung und bei Schiffsverkehr kann eine Herausforderung sein. Gut dass unsere Steuerleute alles alte Rheinfahrer sind und wissen wie man so etwas macht. Die Boote müssen hier rausgenommen werden. Kein Platz. Wiederholt stellen wir Berliner fest, unser Anleger ist schon ne feine Sache. Sogar altersgerecht. Hier geht es erst einmal steil die Böschung hinauf, um dann oben die Boote ablegen zu können.

Die Mittagspause besteht aus Brötchen mit lecker Fleischkäse, großzügig zweifingerbreit geschnitten. Außerdem lernen wir hier eine Giraffe kennen, die sich uns aus unerfindlichen Gründen angeschlossen hat. Das aber ist eine andere Geschichte.

Als es zu den Booten geht, überrascht uns ein heftiger Wolkenbruch, der alle wieder zum Rückzug ins Bootshaus zwingt. Als er abflaut, geht es dann aber doch weiter.

Wir kommen gut vorwärts und haben einen schönen Ausblick auf diesen Teil des Rheines, der ja schon zum Niederrhein gehört. Unser Etappenziel heute ist die „Rudergesellschaft Benrath“. Auch hier müssen die Boote die Uferböschung hoch gebracht werden. Gut, dass es dafür geeignete Wagen gibt. Die „Benrather“ sind auch ein eher gehobener Verein. Zumindest haben sie eine echt tolle Sporthalle mit super ausgestattetem Fitnessbereich der echt futsch neu ist.

Wir dürfen uns hier für die Nacht einrichten. Das Betreten der Halle aber nur in Socken! Verständlich. Die Rheinhausener sind einmal mehr für die Zubereitung des Abendessens verantwortlich. Während wir als „Beiköche“ das Schnibbeln und Schneiden übernehmen, wird von ihnen eine köstliche Bolognese Sauce mit Spaghetti gezaubert. Lecker. Auch dieser Tag geht als ein gelungener Tag in unsere Tagebücher ein.

Der letzte Tag steht an. Es geht weiter den Niederrhein runter, der sich teils industriell, teils naturbelassen zeigt. Immer wieder passieren uns, wie überhaupt auf der ganzen Tour Schiffe, Kreuzfahrer und Schubverbände. Der Rhein an sich ist halt eine richtige Wasserstraße die auch noch in reger Benutzung steht. Alte Industrieanlagen wechseln sich mit modernen ab, hohe Kaimauern zwängen den Fluss ein und auf der anderen Seite hat man wieder einen weiten Blick, der einen Glauben lässt, man wäre in Brandenburg oder Zeeland.

Es geht durch Düsseldorf und wir sehen den nordrhein-westfälischen Landtag, sehr modern, das
alte Rathaus, sehr beeindruckend mit seinem Adler, und die Uferpromenade.

Einen Mittagshalt gibt es beim Wassersportverein Düsseldorf, Rudergesellschaft von 1893.

Da wir heute aber alle noch nach Hause fahren müssen, halten wir uns wirklich nur kurz auf und dann geht es schon weiter. Wir kommen an Kaiserswerth vorbei, eine Ruine der alten Kaiserpfalz von Barbarossa. Es steht nicht mehr viel, aber wenn man bedenkt, aus welcher Zeit sie stammt, ist man doch beeindruckt. Friedrich I war immerhin von 1152 bis 1190 römisch-deutscher König und von 1155 bis 1190 Kaiser des römisch-deutschen Reiches. Das ist dann doch schon einige Tage her. Dann sehen wir noch den Mannesmann-Hafen und den (Krupp-) Hafen Duisburg-Rheinhausen und wir erreichen den Heimathafen unserer Gastgeber. Der Ruderclub „Borussia“ Rheinhausen, der Verein der so hervorragend in der Durchführungsplanung und Umsetzungen unserer Tour war. Auch hier, Ausstieg über die Betonrampe. Na zumindest wissen wir jetzt warum wir Wasserschuhe tragen. Auf die Wagen mit den Booten und dann geht es durch die Wiesen ab zum Vereinsheim. Das sind gut 700 m und der Begriff des Wanderruderns bekommt so eine neue, aber nachvollziehbare, Perspektive. Die Boote werden geschruppt und in ihre Bootslager gebracht und für uns geht eine tolle Wanderfahrt zu Ende. Jeder der will bekommt noch eine frisch gegrillte Wurst und dann heißt es auch schon Abschied nehmen.

Eine gelungene und spaßige Wanderfahrt geht zu Ende und bestärkt uns in dem Entschluss etwas ähnliches wieder einmal zu tun. Vielleicht Lahn, vielleicht Mosel.

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